Galgahallarna 2019
Galgahallarna 2019 | Foto: GuidebookSweden (CC BY-SA 4.0)

Galgahallarna

Sagenumwobene Richtstätte bei Valid

Die als Galgahallarna (Die Galgenfelsen) bezeichnete alte Richtstätte befindet sich im Wald zwischen dem Weiler Valid und dem Westufer des Sees Virestadsjön in der Osthälfte der Gemeinde Älmhult.

Nüchtern betrachtet sind die Galgahallarna zunächst einmal nur zwei großen Felsen, die einst ein eiszeitlicher Gletscher dort abgeladen hat. Sie sind zwischen drei und fünf Metern hoch und zwischen ihnen befindet sich ein etwa einen Meter breiter senkrechter Spalt. Was die Felsen aber zum mystischen Ort einer Volkssage mit wahrem Kern macht, ist ihre grausame Vergangenheit und die weiteren Geschehnisse, die sich um sie herum abspielten.

Die Galgahallarna sind im übrigen einer der zehn ausgewiesenen Plätze des Märchenlandes Sagobygden in der Kommune Älmhult, um die sich Volkssagen ranken, deren Text sich jeweils in einer vor Ort aufgestellten roten Holzlade befindet.

Die Sage der Galgahallarna

Irgendwann im dunklen Mittelalter, als die Region noch dänisches Grenzgebiet war, herrschte dort der tyrannische Vogt Trotte mit uneingeschränkter Machtbefugnis über die Landbevölkerung. Er trug den Beinamen "Valid Skräck" (Der Schrecken von Valid), benannt nach dem Dorf in der Nähe seiner Burg, die auf einer kleinen Insel im südlichen Teil des Virestadsjön stand.

Wegen kleinster Vergehen oder auch völlig willkürlich ließ er Menschen aus seinem Machtbereich hinrichten. Dazu wurde der Delinquent in den Spalt zwischen den Felsen gebracht, die Arme wurden zu beiden Seiten ausgebreitet oben auf die Felsen gelegt und mit schweren Steinen beschwert, damit der Körper frei im Felsspalt hing.

Wie bei einer Kreuzigung trat durch das Hängen an den ausgebreiteten Armen nach einiger Zeit ein recht qualvoller Tod durch Ersticken ein. Opfer, die bis zum Einbruch der Dunkelheit noch lebten, ließ Vogt Trotte durch Lanzenstiche töten, um Befreiungsversuche im Schutz der Dunkelheit zu verhindern.

Neben sonstiger Willkürmaßnahmen drangsalierte der Vogt die Bevölkerung mit seiner fixen Idee, eine Brücke von seiner Burginsel zum Seeufer zu bauen – dies allerdings nicht über die kurze Strecke zum Westufer sondern zum Ostufer des Sees. Irgendwann auf halber Strecke war die Geduld der Bauern jedoch endgültig erschöpft.

Als der Vogt an einem dunklen Weihnachtsmorgen auf dem Weg zur Christmette in die Kirche von Virestad war, wurde er an der Südseite der damaligen Kirche schon von einer Volksmenge erwartet. Nahezu die gesamte Bevölkerung mit Männern, Frauen und Kindern hatte sich versammelt und steinigte den verhassten Vogt in aller Öffentlichkeit zu Tode.

Man beerdigte die Leiche des Tyrannen an der Südseite der Kirche und bedeckte das Grab im alten Aberglauben mit einem großen Stein, um zu verhindern, dass er als Wiedergänger zurückkehrt. Auf dem zum Grab führenden Weg wurde ein weiterer großer Stein abgelegt, der stellvertretend für den Vogt von den Kirchgängern und Friedhofsbesuchern getreten und bespuckt wurde.

Die Entstehung von Lappalänet

Nachdem der Vogt gerichtet war, zog der Mob zur Burg, plünderte sie und brannte sie anschließend nieder. Die Insel existiert heute auf Grund der Absenkung des Wasserspiegels zwar nicht mehr, aber dort, wo sie einst gelegen hat, fand man verbrannte Getreidereste.

Der Überfall war gut durchdacht und planmäßig ausgeführt und es konnten keine Einzelpersonen als Täter ausgemacht werden. Also verurteilte man alle Beteiligten zur Zahlung einer Geldstrafe. Da die Bevölkerung aber sehr arm und auch schon durch den Vogt ausgepresst worden war, durfte die Strafe auch ersatzweise in Leder in der Größe einer ganzen Tierhaut beglichen werden. Wer auch das nicht aufbringen konnte, durfte seine Strafe mit kleineren Lederstücken oder Flicken (schwedisch: lappar) abstottern.

Und deswegen, so erzählt die Sage, bekam dieser Teil des Kirchspiels im Volksmund den Beinamen "Lappalänet" (Flicken-Grafschaft) – ein Spitzname, der auch heute noch von der lokalen Landbevölkerung verwendet wird.

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